Ausgabe 1.2021

AUSZUG AUS DEM INHALT:

BODY
Calisthenics – Unterschiede und Parallelen zu Kraftsport am Eisen

Calisthenics beschreibt eine Form des Krafttrainings mit dem Hauptfokus auf Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern kalos „schön“ und sthenos „Kraft” zusammen. Der Zusammenhang zwischen Ästhetik und Bewegung spielt hier eine große Rolle. Ästhetik definiert sich über die saubere Ausführung der Übungen mit maximaler Körperspannung. Diese Leichtigkeit der Kraft und der ständige Kampf gegen die Schwerkraft sind wohl die größten Reize des Sports. Calisthenics kombiniert Elemente aus dem Bodybuilding mit Fokus auf den Aufbau eines ästhetischen Körpers mit Elementen aus dem Geräteturnen, die für Körperspannung, Körperkontrolle und die Entwicklung von maximaler Kraft in Relation zum Körpergewicht stehen. Calisthenics kann also als Ergänzung zum Training oder als Hauptsportart gesehen werden.

Richtig Atmen für mehr Ruhe und Leistung?

Was haben Shaolin Mönche, Psychotherapeuten, ein berühmter Niederländer und die US Navy SEALs gemeinsam? Sie konzentrieren sich auf einen oft unterschätzten Faktor in Leistung und Gesundheit: das Atmen. Atmen ist mehr, als nur Luft durch die Gegend wirbeln. Die richtige Atmung hilft dabei zu entspannen, mehr Gewicht zu bewegen, Stress zu reduzieren, gesünder zu sein und in völlig neue Bewusstseinszustände zu gleiten. Während meines Aufenthalts in einer chinesischen Shaolin Kung-Fu-Schule sagte mir mein Lehrer oft, ich solle mein „Qi“ nutzen. Viele würden damit zunächst eher Mystik oder Esoterik verbinden. Mein Lehrer meinte jedoch, dass ich meine Schläge mit der richtigen Atmung unterstützen soll. Mit einem Atemstoß aus der Körpermitte. Dieses Konzept ist auch westlichen Boxern nicht unbekannt. Das richtige Ausatmen erzeugt eine Kontraktion der Rumpfmuskulatur und der Rumpf leitet die Energie vom Treffer dann besser in den Boden. Atmen ist somit mehr als nur ein bisschen Gasaustausch.

Velocity Based Training – das unbekannte Potenzial des geschwindigkeitsbasierten Trainings

Velocity Based Training (VBT) fristet in Deutschland noch ein absolutes Randdasein. In den USA hingegen ist es recht bekannt und viele Athleten kommen bereits im Collegesport damit in Kontakt. Hierzulande haben die meisten davon entweder noch nie etwas gehört und diejenigen, die bereits davon gehört haben, wissen oft nicht, wie es sich sinnvoll in der Praxis anwenden lässt. Daher finden wir VBT hauptsächlich im Leistungssport wieder und selbst dort hat es noch keine weite Verbreitung gefunden. Doch woran liegt das?

Hashimoto – Leben und Trainieren mit der Autoimmunerkrankung

„Sie haben keine Unterfunktion. Auch keine Überfunktion Ihrer Schilddrüse. Sie haben quasi beides!“ 2015 erhielt Lisa Beck die Diagnose „Hashimoto“, die vielerlei Probleme, welche sie bereits in ihrer Schulzeit hatte, erklärte. Es handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Die Athletin und Trainerin hat trotz der „unheilbaren“ Krankheit 30 kg abgenommen und ist mehrmalige NRW- (Gesamt-)Siegerin im Bodybuilding. Im Beitrag berichtet sie von den besonderen Herausforderungen und wie sie heute betroffene Kunden coacht.

NUTRITION
Wer heilt, hat recht und Störche bringen Babys – Kausalität vs. Korrelation in der Trainings- und Ernährungswissenschaft

Eine schwarze Katze kreuzt von links den Weg. Kurz darauf stolpert man und bricht sich den Arm. Dumm gelaufen, sagen die einen. Schwarze Katzen bringen Unglück – also Ursache und Wirkung, sagen die anderen! Das Internet und auch die Fachliteratur sind ein herrlicher Spielplatz mit unendlich vielen Ansichten, Theorien und Meinungsverschiedenheiten. Es ist vollkommen menschlich, Dinge in einen Zusammenhang bringen zu wollen, schließlich wünschen wir uns Klarheit, Nachvollziehbarkeit und Antworten in dieser chaotischen Welt. Wir Menschen wollen immer Kausalketten bilden. Wenn zwei Dinge in einem zeitlichen oder zumindest erklärbaren Zusammenhang passieren, dann fällt es uns schwer, das eine nicht als direkte Ursache des anderen anzusehen. Aber aus einer zeitlichen Nähe folgt eben nicht immer eine ursächliche Verknüpfung. Korrelation und Kausalität begegnen uns quasi überall – ganz besonders in den Bereichen Fitness, Ernährung und Medizin. Obwohl beide Begrifflichkeiten grundverschieden sind, werden Sie von uns so gut wie immer verwechselt respektive gleichgesetzt und nicht differenziert. Worin der Unterschied besteht und warum Störche keine Babys bringen oder nicht jeder, der heilt, recht hat, wollen wir im nachfolgenden näher betrachten.

Food Palatability – das Suchtpotenzial von Lebensmitteln

Über die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist von Übergewicht betroffen. Dieses ist ein Risikofaktor für diverse chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Krebs.1 Nicht nur die Betroffenen leiden unter ihrem Gewicht und den damit verbundenen Folgeerkrankungen, auch das Gesundheitssystem wird dadurch vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Übergewicht ist in der Regel die Folge einer überkalorischen Lebensweise, die häufig in Kombination mit einem inaktiven Lebensstil einhergeht. Viele der Lebensmittel, die von den Betroffenen häufig in großen Mengen konsumiert werden, haben dabei eine Gemeinsamkeit: Sie weisen eine erhöhte „Palatabilität“ – oder zu Deutsch: „Schmackhaftigkeit“ – auf.

Supplements im Science-Check: Proteinpulver im Vergleich

„Functional Food“ und „sportgerechte“ Ernährung sind wortwörtlich in aller Munde. Produkte, die Einfluss auf Fettverlust, Muskelaufbau oder Leistungsfähigkeit haben sollen, findet man heute in jedem Supermarkt oder der Tankstelle. Dementsprechend wachsen auch die Umsätze.1 In diesem Beitrag soll es sich um einen echten Dauerbrenner in dieser Kategorie drehen: den Proteinshake. In seiner Grundform gibt es ihn seit ca. 40 Jahren. Auch wenn Proteinshakes schon lange auf dem Markt sind, so gibt es doch noch viele Fragen und wichtige Infos, die man vor dem Kauf beantwortet haben sollte.

H20 – Quelle für Leistung und Gesundheit?

Wasser ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Nährstoffe – und es ist auch der eine Nährstoff, dessen Abwesenheit bereits nach wenigen Tagen zum Tod führt. Hier könnte die Geschichte also auch schon enden – den Ratschlag 2 – 3 Liter Wasser am Tag zu trinken kennen wir alle. Dabei ist das genaugenommen nur eine Faustregel und meist trinkt man einfach, wenn man Durst hat. Doch was steckt eigentlich hinter diesem elaborierten System unseres Körpers und welche Rolle spielt der Wasserhaushalt für unsere Gesundheit und Performance?

Stillstand in der Diät – Plateaus erfolgreich überwinden

Man steht jeden Tag auf der Waage, aber es passiert einfach nichts. Auch an den Körperumfängen ändert sich nichts. Dabei wiegt man das Essen penibel ab, und das schon seit mehreren Wochen. Warum nimmt man nicht ab? Macht man etwas Grundlegendes falsch?

MIND
Embodiment – existiert die beidseitige Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche?

Dass Emotionen und psychische Zustände Einfluss auf den Körper haben, ist bekannt. So äußern sich Gefühle nonverbal durch die eigene Gestik, Mimik und Körperhaltung oder paraverbal durch eine Veränderung der Stimmlage, Sprachmelodie, des Tempos, der Lautstärke oder Artikulation. Fühlen wir uns unwohl, verkleinern wir unterbewusst unsere Körperfläche, ziehen die Schultern hoch, verschränken die Arme oder schützen empfindliche Stellen wie den Hals mit unseren Händen. Umgekehrt heben wir das Kinn, richten uns auf und reißen bei einem Erfolgserlebnis die Hände nach oben. Der Ansatz des „Embodiment“ geht davon aus, dass diese psychophysischen Wechselwirkungen genauso in umgekehrter Richtung wirken. Das heißt, Körperhaltungen beeinflussen auch ohne bewusste Denkprozesse die eigenen psychischen Zustände, also Kognitionen, Emotionen und unter Umständen sogar die Einstellungen und Urteile. Doch wie äußern sich diese Zusammenhänge in der Praxis? Welche Möglichkeiten gibt es, Embodiment für sich zu nutzen? Wie ist der aktuelle Forschungsstand, und wie wirksam sind Embodiment-Methoden wirklich?

TRENDS
Zyklusorientiertes Training – mehr Erfolg dank richtigem Timing

Die weiblichen Hormone wurden lange als undurchschaubar und kompliziert abgestempelt und mit hormonellen Verhütungsmitteln reguliert. Ich sehe die Hormone und die Menstruation als Superkraft der Frau. Bekannt ist, dass die weiblichen Hormone die Stimmung und den Menstruationzyklus steuern. Dabei können die Hormone noch viel mehr! So haben sie zum einen großen Einfluss auf den Stoffwechsel und zum anderen auf die Physiologie.

Mythen-Check: Verursacht eine schlechte Haltung Schmerzen?

Die Körperhaltung wird durch Faktoren wie Alter, Geisteszustand und kognitive Belastung beeinflusst. Sie ist höchst individuell und fast mit einem Fingerabdruck zu vergleichen. Die Annahme, dass eine schlechte Haltung für Schmerzen verantwortlich sei, ist weit verbreitet. Aber wie verhält es sich mit der Brauchbarkeit weitverbreiteter Haltungsnormen? Was sagt die Wissenschaft zu einem ursächlichen Zusammenhanges zwischen Haltung und Schmerz?

„Da wusste ich auch noch nicht, was ich heute weiß“, sagte Mahatma Gandhi. Ein zeitloser Gedanke, der so klein klingt und doch so groß ist. Heute scheint er aktueller denn je. Warum ist es so unangenehm, uns einzugestehen, wenn wir nicht richtig lagen? Oder wenn wir zwar zu einem bestimmten Zeitpunkt – mit der aktuell verfügbaren Information – richtig lagen, sich die Informationslage aber verändert hat? Laut dem Medizinnobelpreisträger Thomas Südhof verstehen wir maximal fünf Prozent von dem, was im Gehirn vor sich geht (2013). Dies ist nur eines zahlreicher Beispiele, das zeigt: Es ist zu früh anzunehmen, wir hätten bereits alles verstanden. Statt mit Verantwortungsdiffusion und Relativierung von Aussagen zu reagieren, könnten
wir einfach sagen: „Heute weiß ich es besser.“ Wenn wir anfangen, gegensätzliche Meinungen nicht abzuwerten, sondern stets ebenso kritisch zu hinterfragen wie unsere eigene, können wir alle nur profitieren. Die Wissenschaft lebt vom Aufstellen, Prüfen und Verwerfen neuer Hypothesen sowie einer neutralen Herangehensweise. Trotzdem scheinen Fragestellungen mit wissenschaftlichem Anspruch heute immer wieder in Glaubensdiskussionen zu enden. Oft sind wir uns unserer impliziten Meinungen gar nicht bewusst und bleiben deshalb nur zu gern in unserer Schublade. Unsere tief verankerten Überzeugungen lassen sich nun mal nur schwer ändern. Um eine langfristige Einstellungsänderung hervorzurufen, sind dem Elaboration-Likelihood-Modell zufolge drei Faktoren ganz entscheidend: Haben wir die kognitiven Fähigkeiten, uns mit der Thematik auseinanderzusetzen, ist die Thematik relevant und motivierend? Wenn es um unsere physische und psychische Gesundheit geht, ist es dann nicht von höchster Relevanz, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, anstatt auf angestaubten Gedankenkonstrukten zu verharren?

Auch in dieser Ausgabe zeigen unsere Experten spannende Themen auf: Kann die körperliche Leistung mithilfe der Atmung gesteigert werden? Ist eine schlechte Haltung tatsächlich für Beschwerden verantwortlich, oder handelt es sich hier um eine weitverbreitete Fehlannahme? Hat die „Schmackhaftigkeit“ eines Lebensmittels das Potenzial, uns süchtig zu machen? Hat das klassische „Percentage-based Training“ bald ausgedient?

Wie immer wünsche ich viel Spaß beim Lesen und freue mich über konstruktives Feedback, Themenwünsche und Anregungen,

Mirjam Gabler